Stahlharte Nerven für tonnenschweres Projekt

Studentin bettet Kunstakademie Düsseldorf auf Stahl

Die Kunstakademie Düsseldorf lud auch im Juli wieder zum alljährlichen Sommerrundgang: Die Ausstellung sämtlicher Abschlussarbeiten verschiedener Jahrgänge.
ProKilo hat die junge Kunststudentin Carmen Schaich von Beginn an als Projektpate bei ihrem Abschlussprojekt begleitet und Ihr mit Rat und Tat beiseite gestanden.
Im abschließenden Interview verrät sie nun, welche Gedanken hinter Planung und Umsetzung standen und was sie sich zukünftig vornimmt.

Wann haben Sie mit der Planung der Ausstellung begonnen?

„Vor ungefähr fünf Monaten, habe ich begonnen erste Zeichnungen anzufertigen und ein Modell des Raumes zu bauen. Der erste Schritt war, die Pflanzen zu kultivieren, da sich deren Wachstumsprozess nicht wesentlich beschleunigen lässt.“

Welche Pflanzen haben Sie kultiviert?

„Ich habe Gurkenpflanzen gezüchtet, um deren weiße Früchte in Plexiglasformen einzuschrauben. Die Früchte wachsen die Form komplett aus und nehmen deren Gestalt an. Ich konnte mir sozusagen meine eigenen Skulpturen wachsen lassen. Wichtig war mir, dass die Früchte weiß sind, deshalb habe ich mich für eine sehr alte Sorte von 1893 entschieden, sie heißt „White Wonder“, was auch der Ausstellungstitel ist. In meiner Ausstellung waren aber nicht nur die Früchte, sondern die kompletten Pflanzen mit den quadratisch geformten Erdballen und Fruchtformen ausgestellt.“

Was waren die nächsten Schritte?

„Ich habe ein genaues Modell der Ausstellung gebaut und alle Materialien, die ich für die Anfertigung der Installation benötigte, organisiert – Rollen, Silikon, Kabel, Lack, Metall… Das Sponsoring verschiedener Firmen machte es mir erst möglich, dieses Projekt umzusetzen.“

Auch wir von Pro Kilo haben Ihnen geholfen das Projekt zu verwirklichen. Wie konnten Sie das Rohmaterial weiterverarbeiten?

„Die Herstellung des Stahlbettes war aufgrund seines hohen Gewichts von 600 kg eine Herausforderung. Gefüllt mit Wasser und Sand wog die Skulptur 2 Tonnen. In der Kunstakademie Düsseldorf gibt es sehr gute Werkstätten mit professioneller Leitung, die bei der Umsetzung der studentischen Arbeit mithelfen. Die bereits zugeschnittenen, ein cm dicken Bleche des Bettes konnte ich verschrauben, die 2 Bettkästen, musste ich verschweißen, um sie wasserdicht zu bekommen. Zudem habe ich die Oberflächen mit Lack und Öl behandelt, um sie vor Korrosion zu schützen. Während der Ausstellung konnten sich die Besucher auf das Sandbett setzten und legen. Es wurde mit Sand, Wasser und Sandformen, die im Bett lagen, gespielt.“

Was wollen Sie mit Ihrer Arbeit ausdrücken?

„Die einzelnen Teile meiner Arbeit, das Stahlbett, die Grafiken und die Pflanzenwürfel, sind miteinander verflochten. Die Atmosphäre ist durchgeplant, vom Geruch über die Temperatur bis hin zu den Geräuschen. In der Ausstellung roch es wie in einem Gewächshaus, es war warm und ein permanentes Wasserplätschern vom Brunnen war zu hören. Der Wind wehte leicht durch die geöffneten Fenster und bewegte die Tiefdruckgrafiken und Blätter der Pflanzen. Es interessiert mich, eine Situation herzustellen. Die Rauminstallation schien auf den ersten Blick harmonisch und schön, kippte aber bei genauerer Betrachtung ins Unheimliche.“

Nun ist die Ausstellung wieder abgebaut und der Raum ist zum Atelier geworden. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

„Erstmal muss ich mich mit der Aufarbeitung des Dokumentationsmaterial beschäftigen, mit der Suche eines Ateliers und Lagers. Dann beginne ich neue Ausstellungen zu planen. Im Februar wird ein Teil meiner Abschlussarbeit im Kunstpalast Düsseldorf erneut zu sehen sein.“

Wir gratulieren der jungen Künstlerin zu ihrem gelungenen und außergewöhnlichem Abschlussprojekt und wünschen ihr viel Erfolg und Inspiration, Kreativität und viel Kraft für all ihre nächsten Vorhaben!
Und für alle, die auch noch Großes vorhaben: Unsere ProKilo Teams stehen Euch bei! Einfach mal ansprechen, Hilfe und Beratung sucht Ihr bei ProKilo nicht vergebens!